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Allgemein, Bergkirchweih

Nach 12 Tagen: Erlanger Polizei zieht gemischte Bilanz zur 264. Bergkirchweih

Der „Berg“ und die anschließenden Nachfeiern in der Innenstadt lockten trotz einiger Regenschauer wieder eine Vielzahl von Besuchern der Kirchweih nach Erlangen. Der weit überwiegende Anteil der Besucher genoss das Flair am Berg und feierte auch in der Innenstadt friedlich.

Dennoch musste die Polizei einen Anstieg der Straftaten, insbesondere der Aggressionsdelikte feststellen. Die Körperverletzungsdelikte nahmen um rund 50 Prozent zu. Herausragend waren dabei fünf Delikte, bei denen Maßkrüge als Waffen eingesetzt wurden. In einem weiteren Fällen wurde ein junger Mann im Bereich einer Diskothek am Boden liegend mehrmals von bislang unbekannten Tätern gegen den Kopf getreten und am Martin-Luther-Platz gelang es einer Streifenbesatzung einen Täter gerade noch rechtzeitig vor Tatbegehung festzunehmen. Der junge Mann hatte sich am Pfingstmontag früh gegen 04:30 Uhr mit einem abgebrochen Flaschenhals bewaffnet und war gerade im Begriff auf seinen Kontrahenten loszugehen. Zum Glück wurden die Opfer dieser Attacken allesamt nicht schwerer verletzt.

Diese Entwicklung bekamen auch die eingesetzten Polizeibeamte zu spüren, da die Widerstandsdelikte um rund ein Drittel zunahmen. In der Regel wurden die Beamten hierbei auch noch unflätig beleidigt.

Bei einer Auseinandersetzung in einem Festzelt auf dem Festgelände wurden die eingesetzten Beamten getreten, einer ins Gesicht gespuckt sowie eine Beamtin gebissen. Diese war anschließend für zwei Tage nicht mehr dienstfähig. Auch im Bereich des Bahnhofes wurde einem dort eingesetzten Bundespolizisten im Rahmen einer Widerstandshandlung ins Gesicht gespukt.

Gegen die Aggressoren wurde als sofortige Sanktion ein Betretungsverbot für die Bergkirchweih und den anschließenden Nachfeiern von der Stadt Erlangen ausgesprochen.

Neben den Körperverletzungsdelikten nahmen auch die Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum zu. Mehrmals wurden an geparkten Fahrzeugen in der Oststadt bzw. im Ortsteil Anger die Spiegel abgetreten bzw. die Kennzeichen aus der Halterung gerissen. Diese Sachbeschädigungen verdoppelten sich gegenüber dem Vorjahr.

Gegenüber dem Berg 2018 nahmen auch die Sexualdelikte zu. Zwar verringerte sich die Anzahl der sexuellen Belästigungen geringfügig, jedoch nahmen die angezeigten Vergewaltigungen deutlich zu. Bei diesen Fällen sind die Umstände weitgehend ungeklärt, da die Anzeigenerstattung erst im Nachgang von Angehörigen oder Freunden der Opfer mit einem Zeitverzug von bis zu drei Tagen bei der Polizei erfolgte. Die Aussagen der Frauen selbst sind lückenhaft bzw. liegen bis dato noch nicht vor, obwohl teilweise von massiven Misshandlungen berichtet wurde. Infolge dessen werden die Ermittlungen aufgrund fehlender Fahndungsansätze erschwert.

Als neuer Treffpunkt außerhalb des Berggeschehens für zumeist junge Leute scheint sich das Areal um den Bürgermeistersteg zu etablieren. Bereits zum Auftakt der Kirchweih – dem sog. Kastenlauf – versammelten sich über 3.000 Personen dort. Auch an den Folgetagen stellten die eingesetzten Beamten mehrmals bis zu 1.000 dort feiernde Jugendliche und Heranwachsende fest, die überwiegend friedlich feierten. Hierbei wurden auch professionelle Musikanlagen eingesetzt, um die Menge und die umliegende Wohngegend mit lauter Musik zu beschallen.

Verschiedene Gruppen nutzten diesen Aktionsraum leider auch negativ, um aggressiv und/oder provozierend gegenüber anderen Feiernden vorzugehen; ein paar wenige beleidigten die dort eingesetzten Polizeibeamten.

So wurde in der Vorwoche wegen der lauten Beschallung eine Lautsprecheranlage sichergestellt. Zudem kam es während des Kastenlaufes lautsprechunterstützt zu massiven Beleidigungen der eingesetzten Polizeibeamten.

Am letzten Wochenende kam es in den Abendstunden zu zwei Schlägereien. In diesen zwei Fällen wurden jeweils drei Jugendliche aus einer bis zu 50-köpfigen Gruppe mit migrantischem Hintergrund niedergeschlagen. Zwischenzeitlich konnten mehrere Täter während der anschließenden Fahndung bzw. im Zuge der Ermittlungen festgestellt werden.

Zur Vorbeugung weiterer Körperverletzungsdelikte bzw. zur Ermittlungsunterstützung wurde gestern in den frühen Abendstunden am Bürgermeistersteg eine größere Gruppe von der Erlanger Polizei einer Kontrolle unterzogen. Nach erfolgter Personalienfeststellung wurden gegen die Jugendlichen Platzverweise ausgesprochen.

Während der Nachfeiern stellten die Beamten im Gegensatz zu den vergangenen Jahren eine längere Verweildauer der Besucher im Bereich des Martin-Luther-Platzes fest. Dies steht offenkundig im Zusammenhang mit lauten Musikdarbietungen in den anliegenden Gaststätten, welche auch im Außenbereich wahrnehmbar waren. Darüber hinaus wurde in diesem Bereich eine vermehrte Vermüllung der Straße festgestellt.

Während der letzten 12 Tage mussten vier alkoholbedingte Verkehrsunfälle von den Beamten bearbeitet werden. Im Gegensatz zu den Kriminalstraftaten reduzierten sich die Trunkenheiten im Verkehr um rund 50 Prozent. Insgesamt wurden zwei Pkw- Fahrer und 17 Radfahrer angetroffen, die aufgrund des genossenen Alkohols fahruntauglich waren. sieben Pkw-Fahrer (Vorjahr einer) wurden mit einem Blutalkoholwert von 0,5 bis 1,09 Promille angetroffen. Gegen diese Kraftfahrer wurden Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Darüber hinaus registrierte die Erlanger Polizei folgende herausragende Fälle.

Auf dem Festgelände konnten zwei rumänische und ein deutscher Taschendiebe während des Festbetriebes festgenommen werden. Diesen Tätern werden sieben Diebstähle zur Last gelegt.

Am Sonntag kam es – wie gestern berichtet – zu einem Widerstand gegen die Einsatzkräfte und einer Straßenverkehrsgefährdung im Bereich der Loewenichstraße, nachdem nach einer Körperverletzung mehrere Personen durch den Rettungsdienst behandelt werden mussten. Ein 18-jähriger Fahranfänger aus Nürnberg versuchte mit seinem Pkw den in der Straße geparkten Rettungswagen zur Seite zu schieben; gegen die anschließenden polizeilichen Maßnahmen leistete er Widerstand. Der Fahrer stand offenbar unter Drogen.

Darüber hinaus kam es auf dem Festgelände zu mehreren Sturzgeschehen. Dabei verletzte sich ein Mann bei einem Sturz am Böttigersteig schwer am Kopf. Glück im Unglück hatte ein junger Mann, der sich bei einem Sturz aus fünf Metern Höhe im Bereich der Schausteller nur leichte Verletzungen zuzog.

Der letzte „Bergtag“ selbst verlief aus Sicht der Polizei völlig ruhig. Weder auf dem Festgelände noch bei den Nachfeiern in der Stadt wurde eine Körperverletzung registriert.

Dieser friedliche Verlauf des letzten Kirchweihtages wäre als Ausblick für die kommende 265. Bergkirchweih im nächsten Jahr wünschenswert.

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