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Erlangen, Flüchtlinge, Gesundheit, Politik

Erlanger Studie bestätigt: Flucht ist drastisch gesundheitsgefährdender als Kampf

Neue Studie der Erlanger Psychosomatik untersucht Einflussfaktoren

„Dass Flüchtlinge überdurchschnittlich oft unter psychischen Beschwerden leiden, haben mehrere Untersuchungen bestätigt“, sagt Prof. Dr. (TR) Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). „Unklar war aber bisher, inwiefern bestimmte Faktoren die psychische Gesundheit beeinflussen – etwa die Länge des Aufenthalts und der Aufenthaltsstatus in Deutschland, die Lebensbedingungen der Geflüchteten oder die Dauer und Umstände ihrer Flucht.“ Eine neue Studie der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen, die im Magazin https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry veröffentlicht wurde, gibt darauf jetzt Antworten.

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6121182/

Die Studie untersucht die mentale Gesundheit syrischer Flüchtlinge in Deutschland. Dabei betrachten die Forscher nicht nur die Lebensbedingungen der Geflüchteten in ihrem Heimatland, sondern auch ihre aktuelle Lebenssituation in Deutschland sowie die Umstände der Flucht. Die Wissenschaftler um Prof. Erim identifizierten für ihre Untersuchung 518 erwachsene syrische Flüchtlinge in Erlangen, die eine Aufenthaltserlaubnis besitzen; 200 von ihnen nahmen schließlich an der Studie teil. Die Forscher interessierten sich vor allem für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen und die generalisierte Angststörung sowie für Faktoren, die nach der Migration nach Deutschland zum Tragen kommen – etwa den Aufenthaltsstatus oder die allgemeinen Lebensumstände der Zuwanderer.

Fast jeder dritte Flüchtling psychisch erkrankt

Die große Mehrheit der Studienteilnehmer (75,3 Prozent) hat selbst Traumatisches erlebt oder ist Zeuge traumatischer Ereignisse geworden. Mehr als jeder Zehnte (11,4 Prozent) zeigt Symptome einer PTBS. Moderate bis schwere Depressionen wurden bei 14,5 Prozent der Flüchtlinge festgestellt, moderate bis schwere Formen der generalisierten Angststörung bei 13,5 Prozent.

Soldaten erkranken deutlich weniger

In mehreren Studien wurde diese Frage auch bei Soldaten untersucht. Ergebnis:

Die PTBS-Rate bei Bundeswehrangehörigen liegt bei 1,95%.

Mit Ausnahme erhöhter Raten für Erschöpfungs-und Angstsyndrome gebe es keine Hinweise für erhöhte Raten anderer psychischer Störungen. Diese Studienergebnisse präsentierte Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen von der Universität Dresden im Psychotraumazentrum des Bundeswehrkrankenhauses Berlin. Das PTBS-Risiko deutscher Soldaten liegt damit erheblich unter dem Risiko von US-Soldaten im Irak- oder Afghanistankrieg (15 bis 20 Prozent) und auch unter dem Risiko von britischen Soldaten (zwei bis vier Prozent).

Link zur Studie: https://alumni.tu-dresden.de/magazin/pdfs/Wittchen.pdf

Offensichtlich wäre das bleiben in Syrien und gegen die Terroristen kämpfen für viele Flüchtlinge eher gesundheitserhaltend gewesen. Satirische Bilder im Internet karrikieren daher die mentale Situation vieler arabischer Männer.

Prof. Erim hat in der Erlanger Hartmannstraße eine Spezialambulanz für Geflüchtete aufgebaut. Dort werden Betroffenen Kriseninterventionen und ambulante Gruppentherapien in deutscher und arabischer Sprache angeboten.

Wir fragten Prof. Erim noch nach, woran diese Diskrepanz liegt und insbesondere, wie man die Flüchtlinge wieder heimkehrfit machen kann.

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