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Dank Transplantation von Eierstockgewebe: Kind nach Krebs keine Seltenheit mehr

Junge Frauen trifft der Schock einer Krebsdiagnose oft doppelt. Denn nicht nur die Erkrankung ändert plötzlich ihr gesamtes Leben – auch das Risiko, nach der Strahlen- und Chemotherapie unfruchtbar zu sein, macht den Patientinnen Angst. Mut macht ein neues Verfahren, bei dem Eierstockgewebe rechtzeitig vor der Krebstherapie entnommen, eingefroren und nach erfolgreicher Genesung wieder voll funktionsfähig eingesetzt wird. Jetzt haben die Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) am Universitätsklinikum Erlangen die hoffnungsbringende Reimplantation bereits zum 50. Mal durchgeführt.

„Morbus Hodgkin“ – Lymphdrüsenkrebs. Für Gabriela H. brach bei dieser Diagnose vor sieben Jahren eine Welt zusammen – vor allem, weil sie mit Mitte 20 solch eine niederschmetternde Nachricht keinesfalls erwartet hatte. Ein bisschen Glück hatte die Nordbayerin aber doch: Ihr behandelnder Onkologe wusste um das Risiko, dass sie durch die bevorstehende Strahlen- und Chemotherapie unfruchtbar werden könnte, und informierte seine Patientin über die fertilitätserhaltende Kryokonservierung. „Ich wusste gleich, dass ich diese Möglichkeit nutzen muss“, sagt die heute 33-Jährige. Rechtzeitig vor ihrer Krebsbehandlung ließ sie sich gesundes Ovarialgewebe entnehmen und im Fortpflanzungszentrum am Uni-Klinikum Erlangen bei –196 °C einlagern.

Nach zehn Monaten kräftezehrender Therapie und der Entfernung der befallenen Lymphknoten fand Gabriela H. allmählich ins Leben zurück. Jetzt, sechs Jahre nach ihrer Genesung, hat sich die junge Frau entschlossen, ihrem Kinderwunsch eine Chance zu geben. „Allein endlich gesund zu sein, ist ein großes Glück für mich und meinen Mann“, sagt sie. „Aber diesen Versuch möchten wir nun trotzdem noch wagen.“ Für Prof. Beckmann, Prof. Dr. Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin, und ihre Kollegen ist Gabriela H. bereits die 50. Patientin, der die Mediziner trotz einer vorhergegangenen Unfruchtbarkeit zu einer Schwangerschaft verhelfen wollen.

Bereits elf Kinder trotz Unfruchtbarkeit nach Krebstherapie geboren

Das Fortpflanzungszentrum am Uni-Klinikum Erlangen hat mit rund 600 eingefrorenen Eierstockgeweben das deutschlandweit zweitgrößte Lager. Die meisten Frauen lassen sich ihr Gewebe zeitnah nach ihrer Genesung wieder in die Beckenwand implantieren – in Erlangen war Gabriela H. bereits die 50. Patientin. „In rund 90 Prozent der Fälle kehrt die hormonelle Aktivität des Gewebes innerhalb von einigen Wochen zurück“, berichtet Prof. Dittrich. Mit erfreulichen Folgen – so konnten am Uni-Klinikum Erlangen bereits neun Frauen elf gesunde Kinder zur Welt bringen, obwohl sie nach ihrer Krebsbehandlung eigentlich unfruchtbar waren. „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass noch mehr Krebspatientinnen rechtzeitig, das heißt vor ihrer Therapie, auf fertilitätserhaltende Möglichkeiten hingewiesen werden, damit sie die Chance auf eigene Kinder nicht verlieren“, sagt Prof. Dittrich.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 17.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren an Krebs. Moderne Behandlungen von bösartigen Krebserkrankungen haben die Überlebensrate der Krebspatientinnen deutlich erhöht, führen aber oft zur Unfruchtbarkeit. Erstmals in Deutschland transplantierten die Erlanger Reproduktionsmediziner 2008 kryokonserviertes Eierstockgewebe bei einer ehemaligen Krebspatientin aus Franken.

Weitere Informationen: www.kind-nach-krebs.de  

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