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Allgemein, Aus dem Netz gefischt, Erlangen, Flüchtlinge

Die Zeitmaschine der „Erlanger Nachrichten“

Eine Satire

Wir schreiben das Jahr 2017, ganz Deutschland diskutiert über eine Studie des gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Institutes zum Thema „Die Flüchtlingskrise in den Medien“.

Zusammengefasst:
„Michael Haller: „Selbstgefällige Willkommenskultur“

Haller: Die in den Medien mit Euphemismen gefeierte „Willkommenskultur“ wirkt im Rückblick selbstgefällig. Nur ausnahmsweise wurde angesprochen, was konkret auf Deutschland zukommen wird. Viele Menschen dachten wohl an Situationen, wie man sie früher mit den türkischen Gastarbeitern und später mit den sogenannten Russlanddeutschen erlebt und bewältigt hat.

Als dann Hunderttausende Nordafrikaner, Araber, Afghanen – und dazwischen syrische Flüchtlinge – vor unseren Türen standen, da entdeckten sehr viele hilfswillige Deutsche, dass diese Realität ganz anders ausschaut als die, die von den Medien vorgezeichnet worden war. Viele Menschen reagierten frustriert und bestraften die Journalisten mit Vertrauensverlust. (…)

Was können Journalisten zukünftig bei der Berichterstattung über Geflüchtete besser machen? 

Haller: Sie sollten sich auf das journalistische Handwerk besinnen und ihren kritischen Verstand einschalten. Also nicht gleich tolle Geschichten erzählen, nicht gleich mit einer steilen These losziehen, nicht nachäffen und Vorurteile bedienen. Sondern Informationen prüfen und auswerten. Sachverstand nutzbar machen. Naheliegende Fragen stellen. “ Quelle

Ganz Deutschland?

Ganz Deutschland? Nein. Die Erlanger Nachrichten in Gestalt des Redakteurs Christoph Benesch titelt unverdrossen: „Die Feuerwehr Uttenreuth ist bunt“

Ein paar Versatzstücke aus der Herzküche, bitte Tränentücher bereithalten:

„Misbah Abdo ist in einem wackeligen Schlauchboot vor Gewalt und Unterdrückung aus Äthiopien geflohen. Nun möchte er Menschen helfen – als Feuerwehrmann in Uttenreuth.“

„Misbah, dunkle Haut, schwarze Haare, wache Augen, strahlt.“
„Ich kann hier Menschen helfen, die in Not geraten sind. Das gefällt mir“, sagt er.“

„Vor ein paar Wochen, es war Feuerwehrfest, durfte er das erste Mal die schicke Feuerwehr-Uniform anziehen. Unbedingt wollte er beim Aufbau helfen, „und war ein wenig enttäuscht, als es kaum etwas zu helfen gab“, sagt Sabine Eberhadt.

„Misbah bekam eine Urkunde überreicht, es sah so aus, als wäre er schlagartig ein paar Zentimeter gewachsen.“

„Doch auch das zarte Pflänzchen Glück in Uttenreuth ist zerbrechlich; Misbah droht die Abschiebung.“

Dazwischen eine blut- und salzwasserschwangere Fluchtgeschichte, die (Allah sei Dank!) glücklich ausgeht. Der Journalist schreibt ohne ein Kennzeichen wörtlicher Rede: „Dann schickte Allah doch noch ein Containerschiff, das sie rettete und die Übriggebliebenen nach Italien brachte.“

Fact Check

Was deutlich auffällt, ist das Fehlen jeglicher professioneller Distanz.
Ein „Nach Angaben des Asylbewerbers“ fehlt völlig. 
Um den Forderungen von Prof. Haller nachzukommen, und den kritischen Verstand einzuschalten, bedarf es wenig. Wikipedia hilft weiter.

Misbah Abdo sei Oromo, sagt er. Er ist also Angehöriger der Mehrheitsethnie.

„Die Oromo (Eigenbezeichnung Oromoo) sind eine Volksgruppe, die in Äthiopien sowie im Norden Kenias lebt. In Äthiopien sind sie nach offiziellen Angaben mit rund 25,5 Millionen – entsprechend 34,5 % der Gesamtbevölkerung – das zahlenmäßig größte Volk[1] und verfügen über einen eigenen Bundesstaat Oromia.“

Nun kann das Volk ja trotzdem unterdrückt sein, wie sieht es denn machttechnisch aus?

„Die Demokratische Organisation des Oromovolkes (OPDO) ist eine ethnisch fundierte politische Partei in Äthiopien, welches mit weiteren ethnisch-basierten Parteien (…) die derzeitige Regierungskoalition der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) bildet.“

Sein Volk ist also auch an der Regierung beteiligt.

Allein das gäbe genug Material, bei Misbah Abdos Geschichte nachzuhaken. Wenn man wollte. Wie hat er zum Beispiel die Schleuser bezahlt? Was hat es gekostet?
Zusätzlich ergibt sich die Frage, warum Abdo in Deutschland „Automechaniker werden und eine Familie gründen“ will? Wäre es nicht besser, seine Hilfsbereitschaft (siehe oben) in Afrika zur Geltung zu bringen? Sich in der Oromo-Partei zu engagieren?

Nochwas: Es ist ja nicht nur der eine Misbah. Da sind die siebzehn Achmeds, fünfzehn Mohammeds, sieben Akono („Ich bin an der Reihe“ #scnr) etc. Deren große, kinderreiche Drittfrauen-Familien schon lange auf Einreise harren.  Gut, Uttenreuth schafft das. Sagt der Feuerwehrhauptmann.

In Libyen steigen gerade fünftausend Freunde unserer „einer von uns“ in die Boote der Asylindustrie.

EU-Umverteilung? Hat mal jemand in letzter Zeit die Sozialhilfesätze in Osteuropa angesehen? Wie lange dauert es, bis sie sich in den Zug setzten und nach Uttenreuth kommen?

Soll man die Freunde in Italien festbinden? Niemand will sie, ausser eben Uttenreuth. Das schöne, bunte Uttenreuth.

Was bleibt dann noch von Uttenreuth übrig?

Herr Benesch, bitte übernehmen Sie!

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