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Chinarestaurantsyndrom: Ist Glutamat Krebs erzeugend?

Beim „Chinarestaurantsyndrom“ handelt es sich um eine kurzzeitige Symptomatik, die nach Schilderung einiger Personen bei ihnen nach Einnahme von Glutamaten, den Salzen der nicht-essentiellen Aminosäure Glutaminsäure, auftritt.

Bei der Forschung zur Behandlung bösartiger Hirntumoren kamen FAU-Forscher um Dr.
Nicolai Savaskan vom Lehrstuhl für Neurochirurgie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zu einer verblüffende Beobachtung: Die Forscher weisen nach, dass bösartige Tumoren einen stark erhöhten ATF4-Pegel besitzen. Je höher der Anteil des Gens in der Zelle ist, desto größer ist die Resistenz des Tumors gegenüber den Medikamenten und oxidativen Stress.

Nun behandelten die Wissenschaftler die erkrankten Zellen mit Medikamenten und blockierten damit eine entscheidende Wirkung von ATF4. Denn ATF4 aktiviert in den Tumorzellen ein Zielgen, den Glutamattransporter xCT. Dieser Glutamattransporter spielt eine zentrale Rolle beim Schutz vor oxidativen Stress sowie als metabolischer Harmonisierer. Zudem wirkt Glutamat, das auch als Geschmacksverstärker in Instantsuppen und Fertiggerichten zu finden ist, als Wachstumsbeschleuniger für Tumoren. Je höher der xCT-Pegel in einer Zelle ist, desto resistenter ist diese gegenüber der Chemotherapie. Savaskan und sein Team haben xCT nun mit Medikamenten blockiert, dadurch wurde der Anteil in der Krebszelle gesenkt und die Zellen sprechen wieder stärker und effektiver auf die Chemotherapie an.

In Zukunft werden sich Savaskan und sein Team auf der Basis dieser Erkenntnisse auf die Blockade der Glutamatfreisetzung bei Hirntumoren konzentrieren. „Zudem wird eine wesentliche Frage sein, inwieweit das in Fertiggerichten und als Geschmacksverstärker verwendete Glutamat E621 Einfluss auf die Entstehung und das Wachstum von Tumoren hat“, sagt Nicolai Savaskan.

Wir wollten es genauer wissen, und fragten nach:

Erlangen-Heute: Gibt es schon Ergebnisse aus eventuellen Tierversuchen? Kann abgeschätzt werden, was es für die Überlebenszeit (die sich beim Glioblastom ja leider nur um Monate dreht) bedeutet? Wäre eine Heilung zumindest theoretisch denkbar?

Dr. Nicolai Savaskan: Es liegen keine präklinischen Tierversuche vor. Glioblastome sind gerade aufgrund ihrer Hetereogenität so gefürchtet, daher gehe ich persönlich nicht davon aus, dass ATF4 alleine eine Heilung ergeben wird. Ein Aufhalten des Tumorprogresses über mehrere Monate bis Jahre wäre ja heute schon als ein Durchbruch zu bewerten.

Erlangen-Heute:Gibt es in der Literatur Hinweise über den Zusammenhang Glutamat
und Tumoren? Wenn ja, welche? Gerade im asiatischen Raum wird Glutamat auch von den Mengen her deutlich mehr benutzt. Sind vergleichbare Tumorerkrankungen dort
statistisch auffälliger?

Dr. Nicolai Savaskan:  Dies ist ein sehr guter Punkt, der uns seit längerem interessiert. Die Epidemiologie des Glioblastoms (Inzidenzraten, Prävalenzen) ist im Ländervergleich bisher nur ungenügend erforscht. Dies liegt an den länderspezifischen Regelungen und Unterschieden der Methodik von Statistikerhebungen und Erfassungen, die einen Vergleich solcher Daten sehr schwierig machen.

Wahrscheinlich ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass das durch die Nahrung aufgenommene Glutamat unter normalen Bedingungen die Bluthirnschranke nicht passiert. Jedoch führen Entzündungsprozesse sowie Traumata zur Aufweichung der Bluthirnschranke. Für diese Situation bedarf es weitere Forschung, um diese Frage endgültig zu beantworten.

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