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Gentechnik: Die Schere im Kopf

Gentechnik: Die Schere im Kopf

Die neue Generation der Gene-Editing-Technologien wie der Genschere CRISPR/Cas9 eröffnen Wissenschaftlern neue Möglichkeiten, z. B. genetisch bedingte, schwerwiegende Krankheiten zu lindern, heilen oder gar ganz zu verhindern oder präziserer Züchtungsmethoden in der Landwirtschaft einzusetzen. Andererseits birgt sie auch unvorhersehbare Risiken, die sich bei einem Eingriff in die menschliche Keimbahn auf zukünftige Nachkommen oder beim genetischen Eingriff in einzelne Arten auf ganze Ökosysteme auswirken würden. Die Chancen und Risiken der neuen Technologie sind Thema eines Streitgesprächs am 13. Februar an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). FAU aktuell hat sich vorab mit Prof. Dr. Peter Dabrock, Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) an der FAU und Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, darüber unterhalten.

Siehe auch: Genschere CRISPR/Cas9: „Restrisiko nicht pauschal als Diskurs- und Handlungsstopp sehen“

Die größte „german angst“ neben der Angst vor Atomen ist die vor Genen.

Das korreliert mit der Panik deutscher Blut-und-Boden-Schützer. „Genome von Lebewesen beliebig verändern – ein Traum für Wissenschaftler, aber auch ein Traum für Hobby-Biologen? Vor allem US-Firmen bieten Do-it-yourself-Kits (DIY) an, mit denen das Erbmaterial dank sogenannter Genscheren in der heimischen Stube modifiziert werden kann. Die Zerschneidung fällt in einen rechtlichen Graubereich, da diese Art von Genscheren auch natürlich in den Bakterien vorkommen.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gab nun eine Warnung heraus, dass die Verwendung solcher Kits in Deutschland eine Freiheitsstrafe oder eine Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro zur Folge haben könne. Denn solche Experimente müssten in registrierten „gentechnischen Anlagen“ durchgeführt werden.“
Qelle

Gentechnik für alle!

Bereits vor drei Jahren erschien ein Artikel des Molekularbiologen und Wissenschaftsautors Ludger Wess, in dem er feststellt:

„In den 1980er Jahren wollten die Grünen und mit ihnen Maschinenstürmer in K-Gruppen und Gewerkschaften die Einführung von ISDN, Computern und Automatisierung verhindern. Sie scheiterten an der Begeisterung der Nutzer. Bei der medizinischen Biotechnologie und der Fortpflanzungsmedizin war es ähnlich: Die Grünen wollten die gentechnische Herstellung von Insulin, die Reagenzglasbefruchtung, Gen- und Stammzelltherapie sowie die Genomanalyse verbieten. Die Patienten schlugen die Warnungen in den Wind, weil die Vorzüge überzeugend waren und sind. Nur bei der grünen Gentechnik ist es anders. Die Grünen und vorgebliche Umweltschützer konnten sie aus Deutschland vertreiben und halb Europa mit ihren Horrorszenarien anstecken.

Der Grund für diesen „Erfolg“ liegt auf der Hand: Die ersten grünen Gentechnik-Produkte, die auf den Markt kamen – länger haltbare Tomaten – waren ein Marketing-Desaster, ebenso wie die heutigen herbizidresistenten oder insektizidproduzierenden Pflanzen. Es gibt in der grünen Gentechnik bislang kein Produkt, das breite Teile der Bevölkerung begeistert.

Das könnte sich jetzt ändern, dank einer unscheinbaren Pflanze namens Acker-Schmalwand. Jeder Mitteleuropäer ist ihr schon hunderte Male am Wegrand begegnet, aber er wird sie kaum wahrgenommen haben. Arabidopsis, so der lateinische Name, ist zwar häufig, aber ein echtes Mauerblümchen-Unkraut, mit einer Blattrosette am Boden, aus der nur ein dünner, kaum verzweigter Stängel emporragt. Die wenigen Blättchen sind schmal, die weißen Blüten nur zwei, drei Millimeter groß.

Jetzt soll dieses Aschenputtel unter den Pflanzen in eine buchstäblich leuchtende Schönheit verwandelt werden. In den USA wollen ein paar junge Biotech-Fans mit 60.000$ den Einbau eines Gens realisieren, mit dem die Pflanze einen phosphoreszierenden Schimmer erzeugen kann, ähnlich dem Meeresleuchten. Ihren Plan stellten sie Anfang Mai auf der Finanzierungsplattform Kickstarter vor. Schon ab 5$ können sich Unterstützer an dem Projekt beteiligen. Wer mindestens 40$ zahlt, bekommt im nächsten Jahr ein Tütchen mit Samenkörnern zugesandt. Daraus lassen sich dann ein paar Dutzend sanft grünlich schimmernde Pflänzchen für die Fensterbank oder den Garten ziehen – ganz legal in den USA, denn die Gentechnik-Gesetze des Landes erlauben Experiment und Freisetzung.

Die Idee fand ein überwältigendes Echo. Innerhalb von 48 Stunden kamen die 60.000$ zusammen; derzeit liegt die Summe bei knapp 390,000$, gespendet von mehr als 6.800 Enthusiasten. Sollten bis zum 7. Juni 400.000$ oder mehr zusammen kommen, will das Team zusätzlich eine leuchtende Rose produzieren.

Das Projekt folgt dem Open Source-Gedanken – keine Lizenzen, keine Patente, komplette Offenlegung der Arbeitsschritte und Gensequenzen. Jeder Hobbybiologe soll das Experiment nachmachen können, und jeder darf die leuchtenden Pflänzchen weiter züchten und Samen und Ableger an Freunde und Bekannte verschenken. Die Forschungsarbeiten sollen in einem Hobbylabor in Kalifornien durchgeführt werden. Bereits 150 Unterstützer haben für je 250$ Baukästen bestellt, in denen alle Geräte, die nötigen Chemikalien und Bakterien, eine Anleitung und das Genmaterial enthalten sind. Sie wollen das Experiment parallel selbst durchführen.“

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