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„Friedliche Forschung“ als Leitbild an der FAU?

„Aktuell befinden wir uns in einem universitätsweiten Diskussionsprozess, ob wir das Ziel einer friedlichen Forschung in unser Leitbild aufnehmen sollen.“ so Professor Joachim Hornegger, Präsident der Uni Erlangen-Nürnberg in einem Interview mit den EN.

Anlass für „Erlangen-Heute“, genauer nachzufragen. Die Antworten gab die Pressestelle der FAU.

„Erlangen-Heute“: Gemeint ist eine sog. „Zivilklausel“?
Pressestelle der FAU: Nein. Die FAU strebt keine Zivilklausel an, sondern befindet sich in einem universitätsweiten Diskussionsprozess, ob wir das Ziel einer friedlichen Forschung in unser Leitbild aufnehmen. Dieser Prozess soll dauerhaft für das Spannungsfeld „Wissenschaftsfreiheit – Verantwortung in der Forschung“ sensibilisieren.

„Erlangen-Heute“:  Was spricht dafür, was dagegen?
Pressestelle der FAU: Eine Zivilklausel hat sich aus Sicht der FAU nicht bewährt.

„Erlangen-Heute“: Widerspricht das nicht dem Grundsatz der freien Forschung?
Pressestelle der FAU: Die gesetzlich verbriefte Wissenschaftsfreiheit nach Art. 5 Absatz 2 Grundgesetz und Art. 3 Bayer. Hochschulgesetz erachtet die FAU als ein hohes Gut. Der Freiheit der Forschung ist ein hoher Stellenwert beizumessen, denn sie ist eine wesentliche Grundlage für Fortschritt und Wohlstand der Gesellschaft. Gleichzeitig verpflichtet der oben zitierte Absatz des Grundgesetzes auch zur Verfassungstreue. Das heißt, die Chancen der Forschung und deren Risiken für Menschenwürde, Leben und andere wichtige, im Grundgesetz verankerte Güter (Artikel 1 Absatz 1 und 2 Grundgesetz) sind gegeneinander abzuwägen. Daraus folgt eine hohe Selbstverpflichtung der Wissenschaft, sich an einen selbst auferlegten Kodex zu halten, der die möglichen Risiken von Forschungsergebnissen im Blick hat und bewusst damit umgeht. Daher sehen wir an der FAU jeden einzelnen Forscher in der Pflicht, sich seiner Verantwortung zu stellen. Dafür sensibilisiert der gegenwärtige Diskussionsprozess an der FAU. Hier geht es um die „wissenschaftliche Redlichkeit“, die von DFG und Leopoldina gefordert wird.

„Erlangen-Heute“:  Ist nicht im Gegenteil zur PR der „Zivilforschung“ die militärische Forschung darauf gerichtet, immer zielgenauer und zerstörungsärmer zu kämpfen? Kolateralschäden zu minimieren?
Pressestelle der FAU: Da an der FAU keine derartige Forschung betrieben wird, können wir dazu nichts sagen.

„Erlangen-Heute“:  Sind nicht wenige, hochmoderne Waffen, sondern Millionen einfacher, technisch simpler Kleinwaffen das eigentliche Problem?
Pressestelle der FAU: Zu dieser Frage wird an der FAU nicht geforscht.

„Erlangen-Heute“:  Ist die Frage der „friedlichen Forschung“ nicht ohnehin obsolet, da zum Beispiel Laser genau so für bewaffnete Drohnen wie Bergbau oder in der Medizin genutzt werden können?
Pressestelle der FAU: Sie sprechen die klassische Dual Use-Problematik an. Forschung ist per se weder gut noch schlecht; viele Erkenntnisse können zum Fortschritt und Wohlstand der Menschheit verwendet oder zum Schaden missbraucht werden: Dies gilt ganz allgemein für Grundlagenforschung, die eben nicht auf konkret verwertbare Ergebnisse, sondern auf Erkenntnis um ihrer selbst willen abzielt. Die Beurteilung solcher Forschung ist wegen der oft noch unbekannten zukünftigen Handlungsketten sowie der deshalb schwer vorhersagbaren Folgen- und Risikoabschätzungen komplex und kann kaum nach einem groben Schwarz-Weiß-Raster erfolgen. Grundsätzlich können diverse Verfahren oder Methodiken, Geräte oder Stoffe, die eigentlich für zivile Zwecke entwickelt wurden, auch militärisch verwendet werden. Mit einem vergleichbaren Verfahren kann man beispielsweise eine Herzkatheteruntersuchung vornehmen oder eine Rakete von innen ansehen. Sie können ein autonom fahrendes Auto entwickeln oder einen Roboter, der in einer Kriegszone eingesetzt wird. Insofern spielt die so genannte Dual Use-Forschung potenziell überall dort eine Rolle, wo Grundlagenforschung betrieben wird.

„Erlangen-Heute“:  Die Frage der Entwicklung (teil)autonomer Waffen wird sich auch uns stellen, ob wir nun nur zivil forschen oder nicht. Was meinen Sie dazu?
Pressestelle der FAU: Diese Frage ist unserer Ansicht nach besser z.B. beim Verteidigungsministerium aufgehoben als an einer Universität.

„Erlangen-Heute“: Die Forschung im Bereich der Zukunftstechnologien grüner und roter Gentechnik, sowie Nukleartechnik ist in Deutschland aus ideologischen Gründen nahezu zum Erliegen gebracht worden. Früher waren wir hier Weltspitze,  Zukunft ist nun aber nicht nicht mehr „Made in Germany“. Was sagen Sie jungen Nachwuchforschern, warum sie trotzdem hier bleiben sollen?
Pressestelle der FAU: Diese Forschungsgebiete sind an der FAU nicht verankert.

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